Gebietsreform: Zukunft des Tourismus beschäftigt Unkel

Veröffentlicht am 09.04.2017 in Kommunales

Aus der Rheinzeitung vom 08.04.2017

Unkel. Wie sieht die Zukunft des Tourismus in Unkel in einer Groß-Verbandsgemeine von Unkel, Linz und Bad Hönningen aus? Diese Frage hat der Touristik und Gewerbeverein Unkel (T&G) aufgeworfen. Mitglieder und interessierte Bürger waren eingeladen, das Thema mit Oliver Bremm, dem Geschäftsführer der Tourismus Siebengebirge GmbH (TSG), zu diskutieren und eigene Vorstellungen einzubringen.

 

„Die Stadt Unkel ist schon seit 2001 Mitglied in der TSG. Sie orientiert sich auch eher in Richtung Siebengebirge als in Richtung Mittelrheintal“, erläuterte die T&G-Vorsitzende Ulrike Kessel. Die Stadt mit ihrer Ausrichtung als Kunst- und Kulturstadt und mit dem Willy-Brandt-Forum sei nun mal touristisch nach Norden in Richtung Bonn und Köln und nicht nach Süden in Richtung Koblenz orientiert. Es gelte also jetzt, die Interessen von Unkel zu formulieren, damit sie in den Fusionsgesprächen mit den südlichen Verbandsgemeinden Berücksichtigung finden. „Wir müssen uns jetzt einbringen und Forderungen formulieren, damit wir von der Entwicklung nicht überrollt werden“, meinte sie.

„Die drei Verbandsgemeinden sind räumlich zwar nah beieinander, in Sachen Tourismus aber unterschiedlich ausgerichtet und organisiert“, erläuterte Bremm, der zunächst ein paar Zahlen lieferte, die deutlich machen, welche Wirtschaftskraft im Tourismus in der gesamten Region steckt. „Vergangenes Jahr zählten wir 36.000 Übernachtungen in der VG Unkel, 18.000 in der VG Linz und 64.000 in der VG Bad Hönningen“, zählte er auf, wobei ein Drittel der Bad Hönninger Übernachtungen auf die neue Jugendherberge in Leutesdorf entfallen. „Jeder Gast lässt pro Tag 115 Euro hier. Das ist ein Umsatz von 35 Millionen in der Region zwischen Königswinter und Bad Hönningen“, rechnete er vor. Dazu kämen Tagesgäste. Allein in Unkel legten vergangenes Jahr 2000 Besucher mit den KD-Schiffen an, 5000 kamen ins Willy-Brandt-Forum (WBF). Die Römerwelt in Rheinbrohl rechne mit monatlich 2000 Besuchern. Jeder Tagesgast lasse 37 Euro in der Region. „Das sind weitere 30 Millionen, die hier ausgegeben werden“, so Bremm. Insgesamt generiere der Tourismus rund 60 Millionen Euro pro Jahr und biete 2000 Arbeitsplätze. Der Tourismus sei bei den Fusionsüberlegungen also ein zentrales Thema. Bremm warb, wie Kessel betonte, ausdrücklich nicht für einen Verbleib Unkels in der TSG. Vielmehr gelte es jetzt, genau zu überlegen, wo die touristische Reise von Unkel hingehen soll, bevor die Eckdaten im Rahmen einer möglichen Fusion festgeklopft seien.

Denn, so Bremm, in einer großen Verbandsgemeinde würde auch der Tourismus unter Umständen zentral betreut. „Es ist aber wichtig, darin sind sich Touristikfachleute einig, dass die örtlichen Tourist-Infos erhalten bleiben.“ Allerdings seien Ausgaben für den Tourismus immer freiwillige Leistungen im Haushalt. Die Stadt Unkel zahlt jährlich 25.000 Euro an die TSG, die VG 10.000 und Königswinter 300.000 Euro. Dafür bekommen die Mitglieder viel: Werbung, Veranstaltungen, Projekte und Unterstützung in allen Tourismusfragen. Bei einer Fusion könnten die örtlichen Tourist-Infos aber wegen der überall klammen Haushalte infrage gestellt werden. Unkel müsse also jetzt schon die Weichen stellen, damit es sich in einer großen VG wiederfindet. Vor allem deshalb, weil die Stadt keinen Tourismusmanager wie Linz und Bad Hönningen habe. „Wir müssen vordenken, wohin wir wollen“, forderte sie. Das Entweder-oder sahen einige Mitglieder aber nicht. Sie sahen die Zukunft darin, die Bindung an den nördlichen Tourismus beizubehalten, aber auch einen Fuß nach Süden zu stellen. „Der Süden entwickelt sich gerade. Wir müssen jetzt die Fäden knüpfen“, meinte ein Mitglied.

Ähnlich sieht es auch Bremm, wie er kürzlich im VG-Rat erläuterte. Die gemeinsame touristische Vermarktung des Mittelrheins sei sinnvoll – ebenso wie der Schulterschluss von Unkel mit den Nachbargemeinden.

Von unserer Reporterin Sabine Nitsch

 

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