Krieg und Frieden - ist Frieden überhaupt machbar?

Veröffentlicht am 22.05.2017 in Allgemein

Liebe Leser,
mit folgenden Link möchte ich auf ein hochinteressantes Gespräch aufmerksam machen, welches am 22.05.2017 um 00.00 Uhr im Fernsehen kam. Ich war zufällig noch wach ... und die Thematik 'Ewige Kriege' hielt mich dann auch noch länger wach.
Der Interviewer Richard David Precht spricht mit Generalleutnat a.D - bis 2012 Generalinspekteur der Bundeswehr - Harald Kujat darüber, wie ein Frieden in der Welt möglich werden könnte. Dabei wird nichts ausgespart. Nicht die Nato, nicht Russland, nicht die Waffenindustrie etc. Der Film dauert ca. 45 Minuten. Schaut ihn Euch an.

 

hier den Link zur Sendung in der ZDF Mediathek anklicken

 

Warum gibt es heute immer noch keinen Weltfrieden? Darüber redet Richard David Precht mit General a.D. Harald Kujat, dem ehemaligen Generalinspekteur der Bundeswehr und früheren Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses.

Abgrenzen oder Verbindendes suchen?

Ein Blick in die Geschichte lehrt uns, dass seit langer Zeit nirgendwo in der Welt ein Krieg siegreich und zufriedenstellend geführt werden konnte. Längst wissen wir, dass die Streitereien unter den Großmächten und deren Stellvertreterkriege nicht mit Waffengewalt gelöst und beendet werden können. Kein gewaltsamer Versuch eines regime change hat je den gewünschten Erfolg gebracht, sondern beispielsweise die Lage im Irak, in Libyen oder in Syrien nur noch verschlimmert. Staaten suchen kaum mehr nach dem Verbindenden, sondern nach der Abgrenzung zueinander. Separatismus, Nationalismus, Okkupation und Sicherung von Marktvorteilen und günstigen Ressourcen beherrschen die Entscheidungen der Staatslenker.

Vom glücklichen „Ende der Geschichte“ ist keine Rede mehr, es scheint, dass die Feindbilder aus den Zeiten des Kalten Krieges wieder neu beschworen werden. Auch die NATO ist ein Konstrukt dieses Kalten Krieges. Doch ist ein militärisches Bollwerk gegen den Osten heute noch zeitgemäß und überhaupt notwendig? Und ist die NATO eigentlich mehr als nur ein strategisches Zweckbündnis? Die Idee eines Russland-Beitritts, wie ihn Gorbatschow und Putin schon vorschlugen, scheint heute ein völlig absurder Gedanke , könnte aber, so Precht, möglicherweise der entscheidende Schritt zur friedlichen Koexistenz nicht nur in Europa sein. General a.D. Kujat plädiert bei „Precht“ entschieden dafür, Präsident Putin wieder einzuladen an die europäischen Verhandlungstische.

Frieden - das einzig rechtmäßige Verhältnis

Die einzigen Garanten für den Weltfrieden scheinen die Vereinten Nationen und der UN-Sicherheitsrat zu sein. So gut wie alle Staaten dieser Erde haben sich dort zur Gewaltfreiheit verpflichtet. Dennoch schweigen die Waffen nicht, werden unter dem Vorwand eines berechtigten Präventivschlages Raketen abgeschossen, fliegen Kriegsdrohnen lautlose Angriffe, und verlieren tausende Zivilisten zwischen den Fronten ihr Leben.

Bedarf es einer radikalen Reform der UN, damit sie auch die tatsächliche Macht erhält, einseitiger Kriegstreiberei Einhalt zu gebieten? Ohne wirksame Zentralgewalt ist ein Völkerrecht nicht durchsetzbar. Das wussten schon die deutschen Philosophen Kant und Fichte. Ein „Völkerbund“ solle die Einhaltung zwischenstaatlicher Verträge kontrollieren und die Macht haben, das Recht durchzusetzen. Damit trete – so Fichte – der „ewige Friede ein; das einzige rechtmäßige Verhältnis der Staaten.“ Ist der Weltfriede heute also mehr denn je nur eine Illusion, oder sind heute schon konkrete Maßnahmen denkbar, die ihn langfristig sichern könnten?

Harald Kujat spricht mit Richard David Precht

Harald Kujat wurde 1942 in Mielke (heute Polen) geboren.

Kujat steht im Rang eines deutschen Generals a. D. der Luftwaffe. Von 2000 bis 2002 war er Generalinspekteur der Bundeswehr und anschließend bis 2005 Vorsitzender des NATO-Militärausschusses.

Kujat wuchs in Hannover und Kiel auf und begann 1959, direkt nach seinem Abitur, einen Ausbildung bei der Luftwaffe. Er durchlief die militärische Laufbahn vom Leutnant (1965) über den Rang des Oberst (1988) bis zum General (2000).

1996 wurde er Leiter des IFOR-Koordinationszentrums und schließlich stellvertretender Direktor im internationalen Militärstab der NATO in Brüssel. Unter Verteidigungsminister Scharping war er Leiter des Planungsstabes im Verteidigungsministerium.

Harald Kujat wurde mit zahlreichen Orden ausgezeichnet: großes Bundesverdienstkreuz, Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold, Kommandeur-Kreuz der franz. Ehrenlegion, die NATO Meritorious Service Medal und das Legion of Merit.

Seit Juni 2005 ist Kujat im Ruhestand.

Seitdem äußert sich Kujat zu verschiedenen Anlässen profiliert in den Medien und ist Gast in diversen Talkshows.

Kujat kritisierte die Haltung der NATO während der Ukraine-Krise. Die NATO hätte von Anfang an mit Russland verhandeln müssen, denn sie habe eine strategische Partnerschaft mit Russland.

Für Afghanistan forderte er 2015 erneute Kampfeinsätze gegen die Taliban, um die Situation dort endgültig zu bereinigen.

Im Syrienkrieg befürwortete Kujat, gegen die vorherrschende Meinung der Medien und der Bundesregierung, das Eingreifen Putins in den Konflikt, der seines Erachtens stagnierte, da weder die USA noch die EU eine klar erkennbare Strategie verfolgten.

Quellenangabe: Text und Film ZDF-Mediathek (siehe Link)

 

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